Meine Adventgeschichte heißt ...?

"Die Christl von der Post!"

Wie es zu diesem Titel kam, möchte ich euch gerne erzählen, zumal das besagte Ereignis erst drei Tage zurück liegt. Ich habe das berührende Erlebnis zu meiner ganz persönlichen Weihnachtsgeschichte erkoren.

 

Wie euch bekannt ist, lebt meine betagte Mutter in der Pflegeabteilung eines Seniorenheims. Ich besuche sie regelmäßig, oft dreimal in der Woche, um ihr in dem dortige Leben ein bisschen Abwechslung zu schenken. Wir malen vorgezeichnete Bilder an oder … wenn es das Wetter erlaubt kurven wir mit dem Rollstuhl durch den Augarten, warm eingepackt natürlich!

 

Meine "Christl von der Post"-Geschichte hat aber dieses Mal nur am Rande mit meiner Mutter zu tun, weil sie links daneben saß, als mir Frau R, eine knapp 100jährige Dame mit rosigen Wangen, deren Rollstuhl rechts neben mir geparkt war, aus einem für mich heiterem Himmel folgende Frage stellte:

 

 

 

"Sind Sie die Christl von der Post?" Ich brauchte ja überhaupt nicht zu überlegen: "Ja, die bin ich!" Die Augen von Frau R wurden immer runder, die Wangen immer rosiger, ihr freudiges Lächeln immer breiter: "Jööööö! Wir haben uns soooo lange nicht gesehen! Ich bin eine alte Kuh! Und ich kriege keine Post mehr!"

 

Blitzgeschwind durchforsteten meine Gedanken und in der selben Sekunde meine Hände die für meine Mutter abgeholte Post, die ich vorhin für sie von der Rezeption abgeholt hatte. Gottseidank hatte ich die vielen Bittbriefe noch nicht entsorgt, sie kommen immer noch zahlreich, da Mütterchen früher stets fleißig gespendet hatte. 

 

Während Frau R die Christl von der Post immer noch staunend bewunderte, erwischte ich einen Prospekt von einem Kinderdorf, wo ein dunkelbraunes Mädchen darauf abgebildet war. Dieses Foto überreichte ich Frau R mit den Worten: "Hier ist  ja ihre Post! Die habe ich heute gleich für Sie mitgebracht!" Fast ehrfürchtig nahm Frau R das Blatt entgegen, mit beiden Händen hielt sie es fest.

 

 

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte mich diese Begebenheit eher fröhlich gestimmt und zum innerlichen Schmunzeln gebracht … Weil aber Frau R ihre Post geschlagene zwei Stunden (!) nicht mehr aus der Hand gab … und immer wieder murmelte … dass die Christl von der Post nicht auf sie vergessen hatte … wurden diese beiden Stunden für mich zu meiner Weihnachtsgeschichte … Herzplatzerl aufs Tiefste berührt!

 

Ein Zettel mit einem Foto - ansonsten üblicherweise kurz angeschaut, wenn überhaupt, und dann zum Altpapier, schenkte einer sehr alten Frau zwei Stunden des Glücks! Die Christl von der Post hatte nicht auf sie vergessen.

 

Selbst meine Mutter blieb ruhig und schaute dem Geschehen einfach zu. Sie mag es sonst nicht so gerne, wenn ich mich im Aufenthaltsraum auch manchmal um andere "alte Leute" kümmere mit ein paar Handgriffen. Etwas aufheben, Rotz abwischen, Wasser bringen, Kleinigkeiten halt, wenn das Pflegepersonal auch mal eine verdiente Pause machen muss.

Und weil ich gerade in vorweihnachtlicher Stimmung bin,

wünsche ich euch allen schon jetzt eine

gesegnete Zeit voll Freude und Lebenslust!

FROHE WEIHNACHTEN

UND NUR DAS BESTE FÜR DAS KOMMENDE jAHR!

Eure Christa Kössner - einfach Christa

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Roswitha Rhomberg (Mittwoch, 19 Dezember 2018 20:58)

    Hallo liebe "Christl von der Post"! ... als Nachtrag auch von mir und die so leicht nachgefühlte 2Stunden-Freude erwärmt auch unser Gemüt bis zur SonnenWende am 21.des Monats. Sie bringt auch eine Metamorphose des Ausgleichs in diese jetzige WandelZeit! >>> Danke liebe "Christl von der Post"!

  • #2

    Christa Saitz (Samstag, 22 Dezember 2018 18:38)

    Es bedarf oft nur so wenig, um Glück und Freude zu schenken. Ich finde dich einfach wundervoll, wie du reagiert hast. Wie heißt es so treffend in einem meiner Lieblingsbücher "Der kleine Prinz": Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Danke für die geschicht, du liebe Christl von der Post!