Spontane Sehnsucht ...

Sie trieb mich heute ziemlich früh aus meinem Haus, die spontane Sehnsucht nach meinen Freunden in Schönbrunn. So einmal im Jahr, am liebsten im Winter an einem Wochentag, packt mich die Sehnsucht, ihnen nahe zu sein. Doch weiß ich schon von früheren Besuchen, dass da eine gewisse Zwiespältigkeit in mir lebendig ist ...

 

 

Ich schwanke dann hin und her zwischen meiner riesengroßen Freude über die Vielfalt an Gottesgeschöpfen hier in Schönbrunn und deren Unfreiheit und deren Eingesperrt sein. Obwohl man hier ja alles versucht , den Lebensraum der Tiere nachzubauen in Innen- und Außengehegen, dürfen sie trotzdem nicht so leben, wie in freier Natur. Gut oder schlecht? "Nein, Christa, bitte jetzt kein schwarz/weiß Denken" versuche ich meinen Verstand zu bremsen. Und das gelang heute spontan recht gut, dank eines Geparden.  Nur eine Glasscheibe trennte mich von ihm. Die große Katze war mir ganz nahe und unglaublich vertraut! Mein an der Scheibe klebendes Gesicht schien ihr überhaupt nichts auszumachen, denn sie döste vertrauensvoll weiter, ohne sich von mir gestört zu fühlen. Oder war es etwa doch Resignation, die den Geparden bewegungslos verharren lies? Schon wieder diese Gedanken! Sie brachten mich wie so oft nicht weiter,  Vorbei gings dann an den majestätischen Löwen, die regungslos in der Sonne schliefen, auch die Tiger hoch oben auf dicken Baumstämmen sahen wie imposante Plüschtiere aus, die trotz vieler Zaungäste keinerlei Regung zeigten. Resignation? Oder einfach Schläfrigkeit? Zu mehr Fragen kam ich nicht, weil ich mittlerweile bei den Piguinen angekommen war. Die fröhlich schnatternde Schar ließ mich alle Grübeleien für viele Minuten vergessen! Ihnen schien die "Gefangenschaft" nichts auszumachen, sie wirbelten durcheinander, tauchten auf und wieder unter und - sie unterhielten sich offensichtlich in der Pinguinsprache über uns Menschen und hatten sehr viel Spaß daran! No na.

 

Nächste Station Erdmännchen, die zu meinen absoluten Lieblingen zählen. Pfiffig, aufmerksam und schnell sie. So schnell, dass mir leider kein passables Foto gelungen ist. Lange stand ich bei ihnen an der Glasscheibe ... ja es gelang mir sogar ein intensiver Blick in die Augen eines Kleinen, der kurz in aufrechter Haltung vor mir stehen geblieben war und einen Amorpfeil mitten in mein Herzplatzerl geschickt hatte. Es war, als würde mir der kleine Mann sagen wollen: "Mir geht`s gut Christa! Ich bin versorgt und ich habe Spaß am Leben! Du brauchst dir wegen mir keine Gedanken zu machen." Das hat sich so gut angefühlt! Ein paar Schritte weiter ... Wasserschweine. Ganz andere Typen, als die flitzigen Nachbarn! Gemütlich, mollig, ein bisschen träge vielleicht, aber aus meiner Sicht so richtig zum Knuddeln! Doch da war sie wieder, diese verflixte Glasscheibe ...

 

Auch meine geliebten Riesen habe ich natürlich besucht und durfte ihnen sehr nahe sein. Wenn sich zwei Kaliber Flusspferde in einem relativ kleinen Innenbecken wälzen, dann ist das schon etwas Imposantes! Meine Geduld an der Scheibe wurde belohnt. Vier Glubschaugen blickten für Minutenbruchteile in meine Seele ... und lösten Traurigkeit in mir aus. Selbst die rosa Miniohren der Flusspferde konnten mich kaum aus dieser Stimmung heraus reikßen, also ging ich weiter zu den nächsten Riesen: Nashörner und Elefanten. Sehr gerne hätte ich mal ein Nashorn gestreichelt, denn ich fühle in der Nähe dieser Riesen sehr viel Sanftes und Liebevolles, trotz der Schwere ihres Körpers! Meine Elefantenfreunde waren im Innengehege mit Fressen und Sand aufwirbeln beschäftigt. Für mein Empfinden zu weit weg, um Kontakt aufnehmen zu können, doch wegen der Sicherheit für die Besucher absolut notwendig, das weiß ich doch.

 

Wieder zurück in "my Castle" lasse ich die Eindrücke von heute ausklingen. Ich habe euch längst nicht alles von meinem Ausflug nach Schönbrunn erzählt, weil ich ja auch bei den Geiern war und bei den Wasserbüffeln, bei den Eisbären und bei den Antilopen, bei den Seelöwen und bei den Krokodilen und und ... Es soll ja hier kein Aufsatz werden oder eine Nacherzählung. Ich wollte vielmehr mit diesem Artikel ein klein wenig meine Stimmung mit euch teilen und meine zwiespältigen Gedanken über Zootiere. Oft sind Tierparks nur noch die einzige Möglichkeit, durch Zuchtprogramme Tierarten zu erhalten, die ohne unsere Hilfe wahrscheinlich aussterben würden. Die Frage, ob dies im Sinne eines lieben Gottes wäre, drängt sich mir dabei schon auf. Ist es richtig, die natürliche Auslese zu bremsen? Kaum habe ich diese Frage getippt, kommt schon die nächste: Natürliche Auslese? Stimmt nicht. Denn es ist für mich keineswegs natürlich, dass Eisbären immer mehr auf kleinste Flächen Eis gedrängt werden ... wir wissen, warum.

 

Der Tag neigt sich dem Ende entgegen. Mein ganzes Herz ist bei euch, meine geliebten Freunde mit Hufen, mit Federn, mit Flossen, mit Hörnern, mit weichem Fell oder mit dicker grauer Haut. Ich liebe euch.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Roswitha Rhomberg (Freitag, 12 Februar 2016 06:03)

    ... und ein gleich vielfältig buntes Miteinander an diesem FreiTag - meinem Lieblingstag der Woche - wünsche und sende ich Dir, liebe Christa.
    MIt Deinem Beitrag - ihn Jetzt gerade um 6 Uhr früh "lesend-einatmend" - bringst Du all das auch zu mir - die "Zweispältigkeit" inklusive der Liebe zu unseren tierischen Seelengefährten und das Wunder dabei ist, SO die Verbindung zu allem was ist, spüren zu dürfen, im gleichen Moment, wo Du es so wahrnahmst. ... Ist doch schon richtig schön und spannend ! das Leben und ich lasse es SO jetzt einfach weiterlaufen .... und laufen .... und ... beobachte, wohin es fließt. ... Danke von tierherzuherz Roswitha

  • #2

    Christa Saitz (Freitag, 12 Februar 2016 11:32)

    Ach, liebe Christa! Ich sehe dich direkt vor mir, wie du in Schönbrunn die Tiere besucht und mit ihnen eine Herzensverbindung aufgebaut hast. Das geht überall, mit jedem Gottesgeschöpf, ob in freier Natur, in der Wildnis oder eben in einem Zoo. Deine Gedanken dazu kommen von dir und haben nichts mit der Wahrheit zu tun, ist meine Überzeugung. Den Tieren geht es gut, sie sind versorgt, bekommen Nahrung, müssen nicht hungern und Durst leiden und kennen keine Gefahr. Noch dazu machen sie so vielen Menschen, vor allem den Kindern, viel Freude! Ich glaube, die Tiere spüren das und haben Gefallen daran. Du weißt ja, ich hatte das große Glück, so viele Wildtiere in Afrika in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen. In der Wildnis ist es nicht leicht zu überleben für die Tiere. Es ist gefährlich! Ich hatte einmal in einem Nationalpark in Kenia die Möglichkeit ein Nashorn zu streicheln, so wie du es dir vorgestellt hast. Es waren zwei Nashörner, die Tag und Nacht von Wildhütern bewacht wurden, denn wegen ihres wertvollen Horns werden sie in ganz Afrika gewildert. Einige Zeit später las ich in der Zeitung, dass die beiden Nashörner mitsamt ihren Bewachern überfallen und getötet worden sind. Erfreuen wir uns einfach an allen Geschöpfen und maßen wir uns kein Urteil zu. Alles liegt in Gottes Hand!

  • #3

    Dayaa (Freitag, 12 Februar 2016)

    Liebe Christa,
    ich kenne Deine Gefühle hierzu nur zu gut.
    Doch was ist sicher - diese Tiere hier so nahe bei uns, rühren uns an und lassen in uns den Wunsch wachsen - den natürlichen Lebensraum dieser Tiere zu erhalten, wenn vielleicht auch nur subtil.
    Somit erreichen uns Tiere aus fernen Ländern (und natürlich auch aus unserer Heimat) und können uns aktiv werden lassen, uns für Sie einzusetzen. Sie machen uns direkt vor unserer Haustüre bewusst, wie wichtig es ist, Ihren Lebensraum zu erhalten........und uns für sie zu entscheiden......indem wir achtsamer beim Einkaufen, beim Energieverbrauch etc. werden. Jedes Tier im Zoo, das einen Menschen berührt und Ihn dazu bringt besser mit der Natur und unseren Ressourcen umzugehen, hat etwas großes bewirkt. Wie dankbar bin ich all unseren Tieren, die uns soviel auf unserem Entwicklungsweg unterstützen.....daya

  • #4

    einfachChrista (Samstag, 13 Februar 2016 13:41)

    Ich danke euch ganz herzlich für eure berührenden Kommentare!

  • #5

    Christine (Dienstag, 16 Februar 2016 16:55)

    Ich kann so gut nachempfinden, wie es dir beim Tiergartenbesuch ergangen ist. Doch wie Daya und auch Christa schon geschrieben haben:
    Vielleicht würden diese Tiere in freier Wildnis gar nicht überleben können - zum Teil, weil sie die Wildnis nie kennen gelernt haben, zum anderen Teil, weil wir Menschen ihnen aus Gier und Unverstand nach den Leben trachten.
    Im Zoo sind sie wenigstens sicher und werden gut und artgerecht versorgt und betreut.
    alles Liebe - Christine

  • #6

    Christa Maly-Zach (Montag, 22 Februar 2016 14:14)

    Liebe Christa,

    vielen Dank, dass Du Deine vielen, unterschiedlichen Eindrücke mit uns geteilt hast. Das Erdmännchen und sein Amor Pfeil, die Flusspferde und ihre rosa Ohren, die Nashörner und ihre sanfte Trägheit, - sie alle berühren auch mein Herz und wecken den Wunsch in mir, dem Tierpark Schönbrunn schon bald einen Besuch abzustatten.

    Deine Zeilen bestärken mich wieder einmal darin, dass alle Entscheidungen nur aus dem Herzen getroffen werden sollten, denn nur auf der Herzensebene sind wir mit allen fühlenden Wesen (Mensch und Tier), der Mutter Erde und ihren Ressourcen verbunden.

    Alles Liebe,
    Christa