Haninchen oder Kund?

Ach ja … die Liebe … Sie hat mich wie der Blitz getroffen! Und sie hat auch Früchte getragen. Nein, nicht so wie du glaubst. Es handelt sich nicht um ein Junges oder junges Gemüse, sondern – um mein Aussehen! Jetzt muss ich aber ein bisschen ausholen in meiner Geschichte, damit du dich auskennst.

 

Ich bin ein Hund, ein Rüde, ein frei Laufender und von Geburt an ein stolzer Einzelgänger. Ich brauche niemanden zu meinem Glück. Wer mich mag, ist willkommen. Wer nicht, soll es bleiben lassen. Selbstverständlich hielt ich trotz meiner genialen Selbstsicherheit immer Augen und Ohren offen, wenn hübsche Hundedamen in der Nähe waren. Aber verlieben! Oder gar LIEBEN! Auf so etwas Verrücktes würde ich mich doch niemals einlassen! Damit ich dann diesen fürchterlichen Liebeskummer habe, von dem alle reden? Nix für mich – dachte ich noch vor ein paar Wochen …

 

An einem sonnigen Wintertag passierte dann folgendes:

 

Nachdem ich bei Frau Pospichal mein Frühstück in Form eines gekochten Kuttelflecks verspeist hatte, lief ich weiter zum Geschäft des Herrn Mauserle, wo ich mich über eine Schüssel Trockenfutter freute! Vegan natürlich. Das liegt heute voll im Trend. Mit herrlich gefülltem Bauch machte ich mich dann auf den Weg zu meinem allerliebsten Relax Platzerl am Stadtrand. Dort steht eine alte Holzhütte mit einer morschen Bank davor … ganz still ist es hier immer … ideal für meine Hunde-Meditation! „Ich bin der Größte. Der Schönste. Der Allerbeste. Punkt.“ Warme Sonnenstrahlen auf meinem Fell … rundherum unschuldig weißer Schnee … wurde ich plötzlich von einem Geräusch aus meiner Tiefenentspannung heraus gerissen! Und was sah ich da? Direkt vor meinen Augen und überhaupt nicht ängstlich? Ein weißes Kaninchen!! Das sich weder vor meiner Größe fürchtete, noch vor meiner selbstbewussten Ausstrahlung! Es – ich korrigiere – SIE saß einfach da und blickte mich seelenruhig und vollkommen friedfertig an! Einzig ihr zuckersüßes Näschen bewegte sich ein wenig. Ich wollte schon bellen: „Na hör mal, was fällt dir ein, meine Meditation zu stören! Schau, dass du weg hoppelst! Ich brauche niemanden!“ Seltsamerweise brachte ich aber keinen einzigen Ton heraus. Wahrscheinlich kam SIE deswegen noch ein Stück näher zu mir her. Weil SIE meine Lautlosigkeit offenbar als stummen Annäherungsversuch verstand!

 

„Oh, wie bin ich glücklich, dass ich dich hier treffe!“ hörte ich sanft aus IHREM Kaninchen-Mund. „Wie groß du bist und wie stark! Das wäre ich auch so gerne …“  Diese IHRE Flüsterworte schmierten Balsam auf meinen Hundestolz und ich dachte insgeheim: „Davon könnte ich noch mehr gebrauchen, wo ich doch so gerne gelobt und bewundert werde.“ Dieser Gedanke wiederum veranlasste mich, meine linke Vorderpfote in Richtung zu IHR zu strecken, damit SIE sehen konnte, welche Kraft darin steckt! Aber – es kam ganz anders.

 

SIE rutschte ganz nah zu mir, legte ihr Köpfchen auf meine Pfote und blieb still. So still, dass ich ihr kleines Kaninchenherz klopfen hörte – und das berührte mich irgendwie. Nein, so ganz stimmt das nicht. Ihr Herz so lebendig klopfen zu hören, noch dazu mit ihrem weichen Gesicht auf meiner Pfote, all das traf mich so intensiv und so unendlich liebevoll, wie ich es noch nie zuvor erlebt hatte. Lieber Gott, wie bitte soll das gehen? Ich bin ein HUND, und sie ist ein KANINCHEN!“

 

„Kein Problem“, hörte ich Gott antworten „für Herzensangelegenheiten habe ich immer sofort eine Lösung, weil ich euch glücklich sehen will!“ Kaum waren Gottes Worte verhallt … spürte ich ein Kribbeln in meinen Schlappohren! Übrigens mein ganz großer Stolz, diese meine überlangen, hängenden Ohren! Na ja, vielleicht hingen sie maximal noch ein, zwei Minuten herunter … als sie plötzlich mit enormer Kraft in die Höhe schnellten und ihre vormalige Länge um gute 5 cm übertrafen!

 

„So mein Lieber“, hörte ich Gottes milde Stimme zu mir sprechen, „jetzt habe ich es dir leichter gemacht. Nun hast du keine Ausrede mehr, dich auf die Liebe zu einer Kaninchen-Dame einzulassen, weil du ab heute selber Kaninchen-Ohren hast. Ach ja noch etwas. Du kannst dich jetzt entweder Haninchen oder Kund nennen. Such es dir einfach aus. Ich gab dir jede Freiheit der Entscheidung, immer und überall." 

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Kommentare: 6
  • #1

    Roswitha Rhomberg (Sonntag, 24 Januar 2016 18:18)

    " ... weil er uns glücklich sehen will - der liebe Gott in uns und in allen/m - ..." und Du, liebe Christa, Dein Hund und das Kaninchen in Deiner G´schichte heimsen schon den Erfolg der Liebe ein und gleichzeitig gibst DU damit auch die Antwort auf alle Fragen, die da wären ... wenn es um Lösungspunkte bei LiebesEntscheidungen geht. ... Ich für mich Roswitha habe auch gewählt und nehme die grenzenlose-sowohl-als-auch-Variante und doch auch Einheit im Kundhaninchen. Liebe Grüße von tierherzuherz JoswithaRosef mit Herzschmunzeln in Dankbarkeit ...

  • #2

    Christa Saitz (Sonntag, 24 Januar 2016 18:45)

    Liebe Christa! Ja, wo die Liebe hinfällt....! Ich finde deine Geschichte vom HaninchenKund allerliebst und lustig. Und doch ist soviel Weisheit und Liebe darin verpackt. Wie wunderbar zu lesen, dass Gott uns glücklich sehen will und sich für Mensch und Tier in scheinbar ausweglosen Situationen etwas einfallen lässt und immer für Überraschungen gut ist. Danke.

  • #3

    Doris (Sonntag, 24 Januar 2016 23:07)

    In ganz tolles Beispiel, dass wir nur die Bereitschaft brauchen, im anderen einen Teil von uns zu sehen und schon steht uns der liebe Gott bei und erfüllt jene Wünsche, die ohnehin schon lange auf Erfüllung warten (nur haben wir es nicht zugelassen).

  • #4

    Mary Eichler-Bilek (Montag, 25 Januar 2016 00:58)

    Wie immer geht auch diese Geschichte wieder Mitten ins Herz hinein- danke, liebe Christa!
    Dazu fällt mir ein: " Du hast in jedem Augenblick die Macht und die Freiheit zu denken und zu tun was DU möchtest! " Wie schön!

  • #5

    Christine (Montag, 25 Januar 2016 14:38)

    Eine ganz wunderbare Geschichte, die du da rund um den süßen Kanund... oder doch besser Hunka?... wie auch immer - gezaubert hast. Unsere gemeinsame Lachnummer an jenem kreativen Nachmittag, an dem dieses was-auch-immer-Tier entstanden ist, werde ich nicht so schnell vergessen.
    alles Liebe - Christine

  • #6

    einfachChrista (Dienstag, 26 Januar 2016 18:59)

    Ich danke euch allen sehr herzlich für eure Kommentare. Es fasziniert mich, dass doch jeder etwas anderes aus dieser Liebesgeschichte für sich selbst heraus liest!