SERIE Nr. 6  "Feuerprobe bestanden!" - Mein erstes Wochenseminar - fast ein Krimi!

Zu meiner Freude waren 9 Leute angemeldet. Nachdem wir eine ganze Woche zusammen verbringen würden, hatte ich mir natürlich im Vorfeld Gedanken über ein schönes Ambiente gemacht, und fand einen gemütlichen Gasthof, der an das Parkgelände von Schlosshof in Niederösterreich angrenzte. Mit dem Inhaber der Pension führte ich Wochen vor Seminarbeginn etliche Gespräche wegen der 10 (!) Einzelzimmer, die sowohl von mir, wie auch von den Teilnehmern Bedingung waren! und bezäüglich Freizeitgestaltung an den Nachmittagen -> „Ja freilich haben wir Fahrräder! Die könnt` ihr kostenlos benützen so oft ihr wollt!“ Super. Ich freute mich! Aber da kam noch mehr: „Zwei Boote für die nahe Donau gibt es auch, die sind leicht zu steuern, weil ja hier fast keine Strömung herrscht.“  Und schon wieder freute ich mich! „Wegen der Einzelzimmer brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Die sind fix für ihre Gruppe! Und – wie besprochen, halte ich den Seminarraum für die Vormittage selbstverständlich für Sie frei. Dieser Raum ist frisch renoviert und liegt etwas abseits an der Hinterseite des Gasthauses. Da sind Sie ungestört!“

 

Einem wunderschönen Ferien-Seminar schien absolut nichts im Wege zu stehen. Ich hatte wirklich an alles gedacht, und ich hatte auch wirklich alles bestätigt bekommen. Super! Und mit diesem super Gefühl und der ganzen Vorfreude auf mein allererstes Sieben-Tage-Seminar fuhr ich los. Rechtzeitig natürlich – denn ich wollte unbedingt als erste noch vor meinen Leuten in Schlosshof eintreffen. Das dies kein Fehler war, sondern ein Segen … stellte sich sehr rasch heraus. Kaum hatte ich eingeparkt, lief mir schon der Wirt entgegen: „Frau Kössner, es tut mir so leid! Ich konnte nicht anders …!“ „Wie, was konnten Sie nicht anders?“ spürte ich drohendes Unheil auf mich zukommen. „In der Nacht hat mich die Gendarmerie angerufen und mich gebeten, Flüchtlinge aufzunehmen. Es war eine echte Notsituation für die 36 Bosnier!“ „Ja und? Was hat das bitte mit meinem Seminar zu tun?“ versuchte ich zu retten, was eventuell noch zu retten war. „Na ja, das mit den Einzelzimmern für ihre Gruppe, das geht jetzt leider nicht mehr … ich musste die Bosnier doch wo unterbringen! Mein eigenes Haus, die Nebengebäude, die Gaststube hinten … alles voll jetzt … auch der Seminarraum …“ antwortete der Mann ziemlich geknickt. Auch wagte er es nicht, mir ins Gesicht zu schauen. Gesehen hätte er ohnehin nur ein bleiches Antlitz und weiter unten zittrige Beine. Was er gottlob nicht hören konnte, war meinlaut klopfendes Herz, indem ein unsichtbarer Dolch steckte. In maximal einer halben Stunde würden neun Menschen hier eintreffen, die sich auf mich und damit auf meine Seminarausschreibung verlassen hatten – insbesondere auf die Reservierungen der Einzelzimmer!!!

 

„Geben Sie mir zehn Minuten Zeit“, sagte ich zum Wirt „ich muss das alles erst verdauen, was Sie mir da jetzt hingeknallt haben …“ Mein erster Gedanke war, das Seminar als Ganzes zu stornieren. Eine mögliche Absage fühlte sich so erleichternd an! Nur – wie sollte ich das meinen Leuten beibringen, die für dieses Seminar Urlaub genommen hatten und die teilweise aus anderen Bundesländern extra hierher gefahren waren? Also doch nicht. Ein bisschen verloren und ratlos setzte ich mich auf den Rand des Pools, als mich kurz darauf ein Blitzgedanke, oder vielmehr eine Stimme von oben aus meiner Lethargie riss: „Sieh es als Herausforderung, die du meistern kannst.“

 

Wenn wir von Intuition sprechen, ist das begleitende Gefühl immer ein gutes. An diese Regel halte ich mich schon mein Leben lang! Von oben, von Gott, von meinem lieben Chef im Himmel kann nur Gutes kommen. Und deswegen wusste ich, dass ich die gegebene Situation samt den neun Teilnehmern annehmen musste (!), weil mir die allerhöchste Weisheit von vornherein zutraute, dass ich diese Aufgabe meistern kann!

 

Diese meine Aufgabe teilte sich in beachtlich viele Schritte auf, was sich recht bald heraus stellte … doch der erste brisante Schritt, der jetzt vor mir lag, war die Zimmeraufteilung! Neun Teilnehmer und ich, also zehn Menschen, sollten in fünf Zweibett-Zimmern untergebracht werden, die mir Gott sei dank noch zur Verfügung standen. Jetzt brauchte ich eine Riesenportion Überzeugungskraft! Das war mir klar, als ich die ersten zwei Autos auf dem Parkplatz eintrudeln sah. Eine viertel Stunde später war die Gruppe vollzählig vor dem Gasthof versammelt und ich begann meine Begrüßung mit den Worten: „Vor uns liegt eine ganz spezielle Aufgabe …“ Den weiteren Wortlaut habe ich vergessen. Fakt war, dass zwei Damen ziemlich erbost sofort abreisen wollten und sich die restlichen sieben herumstritten, wer mit wem in einem Zimmer schlafen sollte. Schlussendlich kam es dann so, dass mein Argument: „Selbst ich als Seminarleiterin habe kein Einzelzimmer bekommen aufgrund der akuten Flüchtlingssituation!“ punktete und wir unsere Zweibettzimmer bezogen. Mulmig war mir schon dabei. Immerhin hatte ich noch nie ein ganzes Wochenseminar gehalten, das wesentlich mehr Vorbereitung benötigte, als ein Tagesworkshop! Dafür hätte ich gerne die frühen Morgenstunden genützt, alleine in meinem Zimmer, und auch abends hatte ich mich auf ein paar Stunden Rückzug gefreut ohne die anderen. Dieser Wunsch wurde mir hier leider nicht erfüllt, da auch ich mein Zimmer teilen musste, ich erwähnte es schon.

 

Der zweite Schritt, der zu bewältigen war, zeigte sich gleich am nächsten Morgen nach dem Frühstück. „Wo bitte kann ich an den Vormittagen mein Seminar abhalten, weil der renovierte Raum ja besetzt ist?“ fragte ich den Wirt in der Annahme, er hätte sich Gedanken darüber gemacht. „Na ja, also ich weiß nicht recht, aber vielleicht das kleine Zimmer hinter der Schank? Das hat allerdings keine Tür zum Zumachen, nur so Flügeltüren wie in den Western-Saloons …da kann es schon mal laut werden, wenn Gäste da sind.“ Wumm. Die nächste Watschen, wie der Wiener zu sagen pflegt! Wirtshauslärm kontra spirituelle Einblicke?! Was sollte ich bloß tun? Wie sollte ich diese Frechheit kommentieren? Und wieder war es so, dass ich in der Minute intuitiv wusste, dass kneifen nicht drinnen war im Gottesplan für mich! Ich spürte einfach, dass dieses Seminar mit all den Schwierigkeiten und „bösen“ Überraschungen eine Art Seminar-Reifeprüfung für mich war. Also nahm ich kurzerhand das zweifelhafte Angebot an. Meine Leute konnte ich gottlob davon überzeugen, dass wir stark genug wären, die Laute grölender Biertrinker und den Lärm klirrende Gläser einfach wegschalten zu können. Sie glaubten mir. Alle neun vertrauten meinen Worten und damit auf ihre eigenen Fähigkeiten, die unvorhergesehene Situation meistern zu können! Die Vormittage waren also gerettet, obwohl sie uns jedes Mal aufs Neue herausforderten, konzentriert bei der Sache – sprich beim Seminar (!) – zu bleiben, wenn es hinter den Schwenktüren öfter mal laut wurde.

 

Kommen wir zur Freizeitgestaltung. Als erstes hatte ich an einen Radausflug gedacht. Also galt meine logische Frage dem Inhaber der Pension: „Wo sind denn die Fahrräder, die wir gratis benützen dürfen?“ „Dort hinten im Schupfen. Müssen`s halt schauen, ob genug Luft in den Reifen ist.“ Na wenn es nur das sein sollte … kein Problem. Schon beim Öffnen der morschen Holztür schwante mir Unheil, das sich in den nächsten fünf Minuten leider als böse Tatsache entpuppte. Vor meinen Augen türmte sich ein Berg alter, schwarzer, rostiger Räder! Vier oder fünf waren es, die sicher schon jahrelang umsonst auf stramme Waden gewartet hatten! Mir reichte es jetzt! Zorn stieg in mir hoch, was wirklich selten passierte. Der fast unschuldige Blick des Wirten dämpfte allerdings meinen Ärger, denn er meinte flehentlich: „Ich wollte ja die Räder noch für ihre Gruppe durchschauen und sie auf Vordermann bringen! Aber die Bosnier … und die ganze Hektik dazu … tut mir leid!“ So wurde an diesem Nachmittag aus einem geplanten Radausflug ein Spaziergang in den nahen Ort mit einer gemütlichen Pause bei Torte und Kaffee! Ich glaube mich sogar an die Bemerkung einer Teilnehmerin zu erinnern, die da lautete: „Bin ich froh, dass ich auf kein Fahrrad steigen musste. Zu Fuß war es viel schöner!“

 

Nach einem weiteren „freien“ Nachmittag, ohne Vorausplanung meinerseits, fielen mir die versprochenen Boote wieder ein. Wenn du jetzt vielleicht glaubst, wir wären damit gefahren, dann täuscht du dich. Grund für meine Weigerung war die beiläufige Bemerkung des Wirten bei der Bootsbesichtigung: „Rudern Sie auf keinen Fall zu weit hinaus im Donauarm! Drüben lauern nämlich die Tschechen, ist ja Grenzgebiet hier, und die schießen gleich!!“ Sollte ich etwa meine Leute einer solchen Gefahr aussetzen? „Was tun … wenn uns die Kraft zum Rudern ausgeht und die Boote in die Gefahrenzone treiben?“ Mehr solcher Gedanken brauchte ich nicht, um den Leuten kurzerhand einen Nachmittag zur individuellen Gestaltung vorzuschlagen. Die Idee wurde gerne und freudig angenommen, weil es ohnehin viel zu verinnerlichen gab von den Seminarstunden am Vormittag.

 

Ach ja, die Nachtstunden habe ich noch nicht erwähnt. Eher waren es sehr, sehr frühe Morgenstunden … an denen meine Gruppe und ich ungefähr ab 4 Uhr durch fröhlichen Gesang von draußen geweckt wurden! Unfassbar, aber wahr. Die Bosnier waren echte Frühaufsteher! Sie haben nicht nur gesungen, sondern auch Wäsche gewaschen, in Bottichen mit kaltem Wasser, die vor unseren Fenstern herum standen … Ich fasse zusammen: Nach Zwei-Bettzimmern – anstelle von gebuchten Ein-Bettzimmern … ohne eines ruhigen, frisch renovierten Seminarraumes … ohne Fahrradausflügen und ohne Bootsausflug … ertrugen meine neun Teilnehmer jetzt zusätzlich noch den frühmorgendlichen Gesang gut aufgelegter Menschen, der ihnen und auch mir jeden Tag mindestens drei Stunden Schlaf kostete! Ich war so stolz auf meine Leute und sparte nicht mit Lob und Bewunderung. An dieser Stelle nochmals danke von Herzen, dass ihr weit über euer kleines Ich hinausgewachsen seid, indem ihr eure eigenen Grenzen gesprengt habt, damals in Schlosshof!

 

Am vorletzten Tag erlebten wir noch etwas sehr Schönes. Offenbar hatte sich der Wirt für uns etwas einfallen lassen, denn er flüsterte mir beim Mittagessen zu: „Nehmen Sie sich bitte mit ihrer Gruppe für den heutigen Abend nichts vor, es gibt eine Überraschung.“ Um 17 Uhr standen dann zwei Jeeps mit Chauffeur für uns bereit und los ging`s Richtung Donauauen, teils auf Forststraßen oder überhaupt quer durchs Gelände … bis sich uns ein Bild darbot, das bis heute einen Stammplatz in meinem Herzen besitzt: Nach einem wilden Ritt durch Dickicht und wuchernde Sträucher zeigte sich uns plötzlich die gemächlich dahin fließende Donau im Licht der Abendsonne … so schön! Das Ufer bestand hier nicht aus schwer begehbaren, zackigen Steinen, wie fast überall sonst, sondern aus feinem Sand. … und mitten drinnen, wie auf einem weichen Teppich, erblickten wir eine mit weißem Tischtuch gedeckte Tafel mit zehn Stühlen rundherum … Das anschließende Abendessen – Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat, dazu Wein und Mineralwasser – wurde uns vom Wirt persönlich serviert. Er war selbstverständlich vor unserem Eintreffen am Ort des Geschehens gewesen, um uns als Wiedergutmachung für sämtliche Pannen einen berührenden Abschied zu schenken!

 

Prüfung bestanden!! Mit diesem herrlich guten Gefühl, das mich wirklich stolz machte, schloss ich mein erstes Ferienseminar ab. Wenn ich heute an diese Woche zurück denke, stelle ich fest, dass sich der Stolz längst verflüchtigt hat. Geblieben ist die Erinnerung an eine wertvolle Erfahrung, die mich in allen nachfolgenden Seminaren fast 20 Jahre lang begleitet hat: Die Erfahrung, von höchster Weisheit und Liebe getragen zu sein. DANKE.

 

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Christa Saitz (Montag, 14 September 2015 10:13)

    Mit großer Freude und BeWUNDERerung für dich habe ich deine Geschichte gelesen. Ich habe selbst schon viele Seminarwochen geleitet und weiß daher, dass das keine einfache Situation für dich und die Seminarteilnehmer war und ich kann mir den Schock, den du im ersten Augenblick hattest, gut vorstellen. Ein großes Kompliment, wie toll du das gemeistert hast. Wie schön zu erkennen, dass wir alle auf Grund unserer Bereitschaft so eine Situation anders - nämlich mit LIEBE - sehen und anzunehmen zu wollen, WUNDER-Wirkende sind. "Gott geht mit mir, wohin immer ich auch gehe" lautet ein Zitat aus dem "Kurs in Wundern", das mir dazu einfällt. ich bin überzeugt (weil ich dich kenne), dass ihr eine Menge Spaß hattet.

  • #2

    Schindecker Rosemarie (Montag, 14 September 2015 17:38)

    Ja, da sehen wir wieder, dass es immer eine Lösung gibt. Hürden sind da um sie zu überspringen. Ganz einfach! Aber in der Situation natürlich nicht, aber du hast das großartig gemeistert und kannst immer daran zurück denken und "stolz" auf dich sein. Auch ich werde immer wieder mit Hürden konfrontiert, die mich herausfordern. Anfangs meint man, jetzt lasse ich alles sausen. Doch plötzlich kommt der Mut und der Wille sich nicht unterkriegen zu lassen. Was passiert? Der Glauben das alles machbar ist, lässt plötzlich völlig andere Ideen in einem reifen. Die Lösungen liegen plötzlich so klar auf der Hand. Der anfängliche Ärger ist bald verflogen. Hatte gerade heute wieder so eine Situation. Viel Arbeit musste wiederholt werden. Doch ich bleibe auf meinem Weg!

  • #3

    einfachChrista (Dienstag, 15 September 2015)

    Liebe Christa, liebe Rosemarie! Ich danke euch herzlich für eure Beiträge - ja - und es stimmt wirklich, wir reifen daran, werden stärker, liebevoller und - VERTRAUENSVOLLER!

Christa Kössner

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